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Credo - ich glaube?

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2025 war ein intensives Erinnerungsjahr. Zahlreiche runde Gedenktage und Jubiläen wurden mit Veranstaltungen, Publikationen, Ausstellungen etc. begangen. 30 Jahre Österreich in der EU, 70 Jahre Staatsvertrag, runde Geburtstage von berühmten Musikern wie Johann Strauß, Maurice Ravel und Literaten wie Thomas Mann, Rainer Maria Rilke, um nur einige zu nennen, wurden groß gefeiert.

Auch die Kirche feierte: nicht nur ein Heiliges Jahr, das alle 25 Jahre stattfindet, sondern ein viel wichtigeres Ereignis, das bereits 1700 Jahre zurückliegt und von welt- und kirchengeschichtlicher Bedeutung ist: das Konzil von Nicäa, abgehalten 325 n. Chr. im heutigen Iznik in der Türkei.

Papst Franziskus, der bereits 2024 die Türkei besucht hatte, wollte aus besagtem Anlass und auf Einladung Bartholomäus’ I. noch einmal die Türkei besuchen. Er verstarb jedoch am 21. April 2025. Sein Nachfolger, Papst Leo XIV., erklärte zu Beginn seines Pontifikats, den geplanten Besuch fortsetzen zu wollen. Am 27. November 2025 löste er sein Versprechen ein und brach zu einer Reise in die Türkei auf, wo er besonders die Rolle des Landes als Brücke zwischen Ost und West würdigte. Der zentrale Grund, warum Papst Leo im Rahmen seiner apostolischen Tätigkeit die Türkei für seine erste Reise ins Ausland ausgewählt hat, war aber vor allem eben dieses Konzilsjubiläum.
Diesen historischen Anlass nutzte er dazu, um die tiefen Wurzeln der Einheit zu betonen und die weltweite Christenheit zu ermutigen, trotz Trennungen den gemeinsamen Glauben zu leben und die Versöhnung
zu suchen. Nach seiner Rückkehr fasste er das Erlebte so zusammen: »Vor wenigen Tagen bin ich von meiner ersten Apostolischen Reise in die Türkei (Türkiye) und den Libanon zurückgekehrt. Mit meinem geliebten Bruder Bartholomäus, dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, und Vertretern anderer christlicher Konfessionen haben wir uns in Iznik, dem antiken Nicäa, getroffen, wo vor 1700 Jahren das erste Ökumenische Konzil stattfand, um gemeinsam zu beten.«

Schon im Vorfeld seiner Reise verfasste er das Apostolische Schreiben »In unitate fidei«, in dem er die Einheit der Christen betont und das nizäanische Glaubensbekenntnis als Fundament für Ökumene beispielhaft hervorhebt. Erklärtes Ziel: den Dialog mit Orthodoxen und Protestanten zu stärken. Gleich zu Beginn betont er besonders die gemeinsame Glaubensbasis, die älter ist als spätere Spaltungen: »Im Vorfeld meiner Apostolischen Reise in die Türkei möchte ich mit diesem Schreiben die ganze Kirche zu neuem Schwung beim Bekenntnis des Glaubens ermutigen, dessen Wahrheit seit Jahrhunderten das gemeinsame Erbe der Christen darstellt.«

Dieses erste ökumenische Konzil, zu dem der römische Kaiser Konstantin 318 Bischöfe aus der gesamten christianisierten Welt einlud, war und ist bis heute deshalb ein zentrales Ereignis in der Geschichte des Christentums, weil man sich einerseits auf wichtige Glaubensinhalte einigte und anderseits damit gleichzeitig ein ökumenisches starkes Signal aussandte. Die Beschlüsse dieser historischen Kirchenversammlung, bei der wesentliche Glaubensfragen diskutiert wurden, gipfelte schließlich – sozusagen als gemeinsame Erklärung – in einem Glaubensbekenntnis, das auf dem Zweiten Ökumenischen Konzil in Konstantinopel 381 bestätigt und ergänzt wurde. Heute ist es als Glaubensbekenntnis von Nicäa-Konstantinopel bekannt und verbindet Christen weltweit. Im Zentrum standen dabei drei Fragestellungen, auf die man eine gemeinsame Antwort suchte, mit dem Ziel, Konsens in wichtigen Glaubensfragen zu erreichen:

1. Wann soll das Osterfest gefeiert werden?
Da in der jungen Kirche darüber Uneinigkeit herrschte, entschied das Konzil Ostern am ersten Sonntag nach dem ersten Frühjahrsvollmond zu feiern. Diese Regelung gilt bis heute. Warum es aber trotzdem in der Christenheit verschiedene Ostertermine gibt, ist auf Kalenderreformen zurückzuführen. Die orthodoxen Kirchen richten sich nach dem julianischen Kalender aus, die katholische und evangelische Kirche orientieren sich am gregorianischen Kalender, der heute weltweit am häufigsten verwendet wird.

2. Wie kann man das Wesen Gottes und Jesu verstehen?
Ein besonders strittiges Thema war das Verhältnis zwischen Gott-Vater und Gott-Sohn. Bischof Arius interpretierte Christus als Geschöpf Gottes, was damals zu großen Unsicherheiten in der jungen Kirche führte. Gegen Arius einigte man sich darauf, dass Jesus Christus kein Teil der Schöpfung, sondern mit Gott dem Vater selbst Urheber der Schöpfung ist und somit eines »Wesens« mit Gott. Damit war auch der Grundstein für das heutige Verständnis der Trinität gelegt. Das Konzil von Konstantinopel (381) stellte ergänzend das »wahre Menschsein« Jesu Christi heraus.

3. Wie sollte EIN gemeinsames Glaubensbekenntnis formuliert werden?
Das Konzil war bemüht, mit einem Text den Glauben so in eine Formel zu bringen, dass ihn alle gemeinsam bekennen können. Nicäa legte dafür den Grundstein, der dann durch Ergänzungen im Konzil von Konstantinopel 381 zum endgültigen Nicäa Konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnis führte. Wir beten es heute noch an besonderen Feiertagen, während im regulären Gottesdienst häufig das Apostolische Glaubensbekenntnis verwendet wird, das aus dem 4./5. Jh. stammt und kürzer ist. »Apostolisch« wird es genannt, weil es die Verkündigung der Apostel, wie sie auch im Neuen Testament bezeugt ist, verlässlich widerspiegelt. Als solches verbindet das Glaubensbekenntnis alle Christen, die Katholiken, Orthodoxen und Protestanten, miteinander. Es ist allen Konfessionen gemeinsam. Das zeigt, dass die Christenheit im Kern geeint ist. Und das ist doch ein Grund zum Feiern.

Bild: © pixabay.com
Text: August Brückler