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»Wenn das Ende zum Leben gehört«

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Abschied nehmen. Vorsorgen. Über das Sterben sprechen.
Drei Dinge, die wir gerne auf später verschieben. Solange wir gesund sind, scheint das Ende weit weg. Solange Eltern, Partner*innen, Freund*innen oder Geschwister mitten im Leben stehen, denken wir lieber an Geburtstage, Urlaube und gemeinsame Pläne. Und doch gehört auch der Tod zu unserem Leben. Niemand kann voraussehen, wann und auf welche Weise das eigene Leben zu Ende geht. Was wir aber können, ist, dass wir uns darauf vorbereiten. Das klingt zunächst wahrscheinlich wenig lebensbejahend.
Tatsächlich kann es aber genau das Gegenteil bewirken. Wer sich mit der eigenen Endlichkeit auseinandersetzt, gewinnt einen anderen Blick auf das Leben. Was ist mir wirklich wichtig? Was möchte ich noch klären? Was soll bleiben, wenn ich einmal nicht mehr selbst entscheiden kann? Die Beschäftigung mit dem Ende kann helfen, das Leben bewusster wahrzunehmen.

Nicht erst im Ernstfall darüber reden
Über Sterben und Tod zu sprechen, braucht Mut. Oft fehlt aber nicht nur der Mut, sondern auch ein guter Anlass. »Darüber reden wir, wenn es einmal so weit ist.« Dieser Satz ist verständlich, aber im Ernstfall oft keine gute Lösung, denn wenn eine schwere Krankheit plötzlich das Leben verändert, bleibt wenig Zeit und Energie, um grundsätzliche Fragen zu klären. Dabei geht es nicht darum, ständig über den Tod nachzudenken.
Es geht um ein Gespräch zur richtigen Zeit: in der Familie, mit vertrauten Menschen und gegebenenfalls mit Ärztinnen und Ärzten oder Beratungsstellen.
Wie stelle ich mir die letzte Phase meines Lebens vor? Was ist mir wichtig, wenn eine Heilung nicht mehr möglich ist? Welche medizinischen Behandlungen möchte ich und welche vielleicht nicht? Wo möchte ich, wenn möglich, versorgt und begleitet werden? Wer soll für mich sprechen, wenn ich selbst nicht mehr dazu in der Lage bin?

Vorsorge heißt: den eigenen Willen festhalten
Vorsorge bedeutet dabei vor allem, die eigenen Vorstellungen so festzuhalten, dass sie auch dann berücksichtigt werden können, wenn man selbst nicht mehr entscheiden oder sich äußern kann. Ein wichtiges Instrument dafür ist z.B. die Patientenverfügung. Darin kann festgelegt werden, welche medizinischen Behandlungen man für bestimmte Situationen ablehnt, wenn man selbst nicht mehr entscheidungsfähig ist. Sie kann Ärztinnen und Ärzten sowie Angehörigen eine wichtige Orientierung geben.

Ebenso wichtig ist die Frage der Vertretung: Wer soll die eigenen Interessen wahrnehmen, wenn man selbst dazu nicht mehr in der Lage ist? Die Vorsorgevollmacht kann hier Klarheit schaffen. Denn selbst die engsten Angehörigen haben nicht automatisch in jeder Situation die rechtliche Befugnis, Entscheidungen für einen anderen erwachsenen Menschen zu treffen. Nähere Informationen zur Patientenverfügung und zur Vorsorgevollmacht finden sie unter österreich.gv.at.

Zur persönlichen Vorsorge gehören außerdem ganz praktische Dinge: Wo befinden sich wichtige Dokumente? Wer kennt die Zugangsdaten oder weiß, welche Verträge bestehen? Gibt es eine Übersicht über Versicherungen, Konten und laufende Verpflichtungen? Welche Wünsche gibt es für die eigene Bestattung? Welche Menschen sollen im Notfall verständigt werden?

Das klingt zunächst sehr nüchtern und das ist es auch. Vorsorge muss nicht emotional aufgeladen sein, aber sie ist ein Stück Entlastung für sich selbst und für jene Menschen, die später Entscheidungen mittragen müssen.

Wer einmal versucht hat, nach dem Tod eines Menschen wichtige Dinge zu regeln, weiß, wie viele Fragen plötzlich auftauchen können. Welche Unterlagen werden gebraucht? Was hätte die Verstorbene oder der Verstorbene gewollt? Welche Entscheidung wäre in ihrem oder seinem Sinne gewesen? Niemand kann Angehörigen die Trauer abnehmen. Aber klare Wünsche und gut auffindbare Unterlagen können in einer ohnehin schwierigen Zeit manche Unsicherheiten ersparen. Dabei geht es nicht darum, alles bis ins kleinste Detail zu planen. Das Leben lässt sich nicht planen und schon gar nicht sein Ende. Vorsorge bedeutet vielmehr, dort Klarheit zu schaffen, wo sie möglich ist.

Abschied ist mehr als eine Formalität
Zum Nachdenken über das Sterben gehört auch die Frage, wie der Abschied gestaltet werden kann. Was sind die persönlichen Wünsche für die Beerdigung oder die Trauerfeier? Auch darüber darf gesprochen werden. Nicht als fertige Regieanweisung für den eigenen Tod, sondern als Möglichkeit, den Menschen, die zurückbleiben, etwas Persönliches mitzugeben.

Vielleicht ist genau das der überraschende Punkt an der Auseinandersetzung mit dem Ende: Sie richtet den Blick zurück auf das Leben. Wenn klarer wird, dass unsere Zeit begrenzt ist, bekommen Begegnungen, Beziehungen und kleine Augenblicke ein anderes Gewicht. Die eigene Sterblichkeit anzuschauen bedeutet nicht, dem Tod mehr Raum zu geben. Es bedeutet, ihm einen Platz in unserem Denken zu geben und dadurch dem Leben vielleicht sogar mehr Raum zu schenken. Niemand weiß, wann der Ernstfall eintritt. Aber jeder Mensch kann heute damit beginnen, darüber nachzudenken, was ihm für die letzte Phase des Lebens wichtig ist. Und er kann dafür sorgen, dass die eigenen Wünsche und Vorstellungen bekannt sind.

Vielleicht ist das beste Vorsorgegespräch deshalb kein düsteres Gespräch über den Tod. Vielleicht ist es ein Gespräch darüber, wie wir leben wollen bis zuletzt.

Denn vorbereitet zu sein heißt nicht, weniger zu leben. Es kann bedeuten, bewusster zu leben: mit dem Wissen, dass unsere Zeit kostbar ist, Beziehungen nicht selbstverständlich sind und manches nicht auf morgen warten sollte.

Text: Karin Funiak
Bild: © AdobeStock_549672032