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»Pock di zsamm!«

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Dieser dialektale Ausspruch, der uns sicher allen vertraut ist, wird je nach Zusammenhang grundsätzlich in zwei unterschiedlichen Situationen verwendet.
Zum einen kann er als eine Aufforderung verstanden werden, beispielsweise eine Beziehung endgültig zu beenden. Ganz im Sinne von »Nimm deine Sachen und geh jetzt endlich! Ich möchte von dir nichts mehr wissen.« In einem Lied der Poxrucker Sisters heißt es dazu wörtlich:

»Pock di zom und geh.
Loss in Schlissl hänga.
Hau de Tia hinta dir zua und geh.«

Davon soll heute nicht die Rede sein. Mehr jedoch von seiner gegenteiligen Bedeutung. Denn »Pock di zsamm« kann zum anderen auch heißen, jemand zu motivieren, aktiv zu werden, kann meinen, sich aufzuraffen, seinen Alltag zu verlassen, um aufgebauten Stress abzuladen, den Kopf wieder freizubekommen für andere Dinge, die einen nicht belasten, sich sozusagen zusammenzureißen, um etwas zu unternehmen, was seinem Körper und seiner Seele einfach mal wieder gut tut. Bei Kurt Ostbahn heißt es beispielsweise in einem Lied:

»Jetzt pock di zsamm, zahl und fahr zu ihr –
Jetzt reiß di zsamm - Moch ned so a Gsicht –
Es kummt hoid vua -
Daß ma den Woid vua lauta Bam ned siecht.«

Wenn jemand den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht, dann erkennt er das Wesentliche nicht, weil er zu sehr auf anderes fixiert ist. Umgelegt auf unser Thema könnte es bedeuten: Wer nicht öfter aussteigt aus seinem Alltagstrott, um Neues kennen zu lernen und sich auf Unbekanntes einzulassen, wird seine Lebensqualität nicht verbessern. Denn eines ist gewiss: Freiwillig gewählte Ruhepausen versüßen bekanntlich unser Leben. Auch weil wir wissen, dass unser Körper nicht dauerhaft Höchstleistungen erbringen kann. Und einmal wieder richtig ausspannen und seine Seele baumeln lassen ist öfter notwendig, um den Belastungen des Alltags dann wieder besser entgegenwirken zu können. Wie gut tut das doch, seine Arbeit manchmal bewusst zu unterbrechen, im Garten auf seiner Sonnenliege zu dösen, ein interessantes Buch zu lesen, Musik zu hören und dabei vielleicht auch ein kühles Bier zu trinken. Oder mit einem Boot über einen See zu rudern, auf einen Berg zu wandern oder in andere Länder zu reisen. So individuell jeder Mensch von uns ist, so individuell wird er seine Erholungs- und Entspannungsphasen gestalten. Nur vergessen sollte er darauf nicht. Denn auch aus der Psychologie wissen wir, dass vor allem mentale Erholung dazu beiträgt, innerlich zur Ruhe zu kommen und gelassener zu werden. Wenn wir - wenn auch nur kurze Zeit – negative Nachrichten über Kriege, Umweltkatastrophen etc. ausblenden, lernen wir wieder auch zu sehen, dass nicht alles in der Welt den Bach runtergeht, dass uns unsere Welt darüber hinaus sehr viel Schönes und Gutes bieten kann. Und auch die Religion macht uns darauf aufmerksam, dass wir immer wieder neue Kraft gewinnen können: aus der Stille, aus dem Staunen über die Schöpfung Gottes, indem ich offen anderen Menschen mit Respekt und Toleranz begegne und im Gebet mit Gott ins Gespräch komme. Das führt auch zu einer grundlegenden Haltung der Dankbarkeit. Und wer schon öfter auf Reisen war, wird mir zustimmen, wenn ich behaupte, dass man oft genügsamer heimkommt und die Dinge zu Hause, die man vielleicht heftig kritisiert, wieder mehr schätzen lernt.
Dabei spielt es zunächst keine Rolle, wohin es einen verschlägt und wie lange man seinen Alltag hinter sich lässt, egal ob kurzer Ausflug oder längere Urlaubsreise. Jeder neue Ort und jede Erfahrung hinterlassen eine kleine Spur auf unserer Seele, die unser Leben bereichert, uns wieder über den Tellerrand hinausschauen lässt und unseren oft grauen Alltag bunter und somit erträglicher macht. Und wenn es wieder einmal heißt »Pock di zsamm«, egal, ob nur für einen kurzen Tagesausflug oder eine längere Reise, eines ist beiden gemeinsam: Notwendiges muss dafür eingepackt und mitgenommen werden.
Für einen Kurzausflug ist das nicht allzu schwer. Da genügt oft eine Umhängtasche, in der man das Nötigste verstaut. Praktisch auch, weil man stets sein Hab und Gut bei sich tragen kann und nicht fürchten muss, dass etwas verloren geht. Wenn man längere Reisen plant, ist das etwas komplizierter. Besonders vor einer Flugreise muss man sich gut überlegen, was man mitnimmt und was man zu Hause lässt, was man unbedingt braucht und was entbehrlich ist, um Übergepäck zu vermeiden. Und somit sind wir bei einer
Koffergeschichte angelangt.

Wer kennt das nicht, Tage vorher druckt man sich eine vom Reisebüro zusammengestellte Checkliste aus oder notiert sich selbst eine eigene. Hat man diese abgearbeitet und alles sorgfältig zusammengelegt, beginnt das eigentliche Kofferpacken. Mehr oder weniger systematisch. Der Koffer füllt sich in dem Maße, wie unser Optimismus sinkt, weil wir schon bald bemerken, dass nicht alles verstaut werden kann. Und in dem Augenblick, wo es offensichtlich wird, dass sich der Koffer nicht mehr schließen lässt, müssen wir uns eingestehen: wieder einmal zu viel mitgenommen. Und es bleibt uns nichts anderes mehr übrig, als den Inhalt nochmals zu hinterfragen und eine engere Auswahl zu treffen. Wir hoffen dabei, dass manches, das wir vorerst für unverzichtbar gehalten haben, vielleicht gar nicht so wichtig ist. Und wenn sich nach der Reise herausstellt, dass wir Dinge, die wir zunächst nur nebenbei in den Koffer gelegt haben, sich als sehr wertvoll erwiesen haben, freut uns das. Vielleicht auch diese neue Erkenntnis: dass alles, was unserer Seele und unseren Herzen gut tut, gar keinen Platz im Koffer benötigt, weil unser Kopf vollgepackt sein wird mit vielen Eindrücken, neuen Namen interessanter Menschen und gesammelten Erfahrungen, die man daheim vielleicht nicht gemacht hätte. So ein Kopf-Koffer ist wie ein Schatz, der uns lehrt, was das Leben leben bedeutet. Hüten wir ihn und denken wir daran, wenn es wieder einmal heißt: »Pock di zsamm.«

Text: August Brückler 
Bild: © AdobeStock_424980571