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»Wenn etwas zu Ende geht«

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Wir nehmen ständig Abschied. Meist ganz nebenbei und ganz selbstverständlich. Vom Sommer, wenn die Abende kühler werden. Von einer Wohnung, in der wir lange gelebt haben. Von einem Arbeitsplatz, einer Gewohnheit, einem Lebensabschnitt. Kinder ziehen von zuhause aus und entwachsen irgendwann unserem unmittelbaren Alltag. Freundschaften verändern sich. Ein schöner Urlaub geht zu Ende. Selbst ein ganz gewöhnlicher Tag verlangt am Abend, dass wir ihn loslassen.

Nicht jeder Abschied tut weh, manche sind leicht oder sogar erleichternd. Aber fast jeder bedeutet:
Etwas, das war, ist jetzt anders. Wir müssen uns neu orientieren. Und genau darin kann oft die Schwierigkeit liegen. Vertrautes gibt Sicherheit, Übergänge machen uns hingegen bewusst, dass sich das Leben nicht festhalten lässt. Oft versuchen wir deshalb, Abschiede möglichst schnell hinter uns zu bringen. Wenn wir beim Beispiel der Wohnung bleiben, heißt das: Kisten packen, Tür zu, weiter. Nur nicht zu lange hinschauen. Nicht zu viel darüber nachdenken.
Aus psychologischer Sicht kann es jedoch hilfreich sein, Übergänge bewusst wahrzunehmen und Abschlüsse zu zelebrieren. Gerade bei wichtigen Übergängen brauchen Gefühle und Gedanken manchmal einen Moment, um »nachzukommen«.
Dabei braucht ein Abschied nicht immer ein großes Ritual. Oft genügt ein kurzer Moment des Innehaltens und der Würdigung: Noch einmal durch die leere Wohnung gehen. Ein Erinnerungsfoto aufheben. Einen Gedanken aufschreiben. Sich eingestehen: Das war wichtig für mich. Das war schön. Oder es war schwierig. Aber jetzt ist es vorbei.
Solche bewussten Abschlüsse helfen uns, Erlebtes einzuordnen. Denn ein äußerer Abschluss ist nicht automatisch ein innerer. Manchmal bleibt es etwas Unfertiges, das uns weiter beschäftigt.
Abschiednehmen bedeutet dabei nicht, etwas kleinzureden oder gar zu vergessen. Im Gegenteil:
Gerade indem wir würdigen, was war, geben wir ihm einen Platz in unserer Geschichte und können dem Kommenden wieder Raum geben. Ein guter Abschied verändert die Beziehung zu dem, was gewesen ist:
Es muss nicht mehr Gegenwart sein, um weiterhin Bedeutung zu haben.

Vielleicht lohnt es sich deshalb, auch die kleinen Abschiede des Alltags ernster zu nehmen. Nicht schwerer, aber bewusster: Da war etwas, das mich begleitet und Spuren hinterlassen hat. Und im Abschied können wir etwas Wichtiges üben: dankbar zurückschauen und Veränderungen annehmen.
Und irgendwann im Leben begegnet uns ein Abschied, der endgültiger ist: das Sterben eines lieben Menschen, der Tod. Auch dann kann, sofern die Möglichkeit besteht, bewusstes Abschiednehmen helfen – den Sterbenden ebenso wie jenen, die zurückbleiben. Vielleicht beginnt die Fähigkeit dazu schon lange vorher, mitten im Alltag, bei den vielen kleinen Abschieden unseres Lebens.

Text: Lisa Funiak 
Bild: © AdobeStock_577081978