Die Ferienzeit naht und somit steht für viele auch ein Ausflug oder der Urlaub vor der Tür. Je näher der Tag des Aufbruchs kommt, desto intensiver bereiten wir uns auf die Reise vor. Ist das Quartier gesichert, sind die Taschen gepackt und das Transportmittel steht startklar bereit, kann es endlich losgehen. Von Freunden, der Familie oder den Nachbarn hört man vielleicht zum Abschied noch ein freundliches »Gute Reise!«. Diesen Wunsch kann man gut gebrauchen, denn auf dem Weg zum Ziel kann ja tatsächlich einiges passieren: Staus, technische Gebrechen, Zeitverzögerungen, Erkrankungen oder gar Unfälle können unsere Ausfahrt trüben. Schon der deutsche Lyriker Matthias Claudius wusste: »Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen.« Zugegeben, der Dichter meinte damit eher Positives und Erfreuliches, auch wenn das Reisen zu seiner Zeit sicherlich wesentlich anstrengender und vielleicht sogar gefährlicher war als heute. Der Wunsch einer glückenden Reise bzw. die Bitte um Schutz am Weg machten also durchaus Sinn.
Gehen wir noch weiter in der Zeit zurück, dann stellen wir fest, dass die Menschen seit jeher vor der Reise um Schutz gebeten haben. Schon die antiken Seefahrer haben ihre Götter um Beistand vor Unwettern oder Piraten gebeten, bevor sie in See gestochen sind. Auch wer sich auf den Landweg begab, hatte Unwetter und Überfälle zu befürchten. Die Anrufung einer göttlichen Macht sollte da die gewünschte Sicherheit geben. Das Christentum übernahm früh diesen Brauch, weswegen sich schon in den ersten Texten für die Messe auch Gebete und spezielle Votivmessen für Reisende finden.
Als im Mittelalter das Pilgerwesen florierte und sich viele Gläubige quer durch Europa auf die beschwerlichen Wege nach Rom, Jerusalem oder Santiago de Compostela aufmachten, bekam der Pilgersegen eine besondere Bedeutung. Häufig betraf dieser Segen, der beim Ende einer Messe gespendet wurde, nicht nur die Person, sondern auch Stab, Tasche und ein Brustkreuz, die die Pilger beim Losgehen erhalten haben. Bis heute haben sich verschiedene Formen von Pilger- und Reisesegen in der katholischen Kirche erhalten.
So stärken verschiedene Rituale wie eine klar geregelte Segensfeier aus dem Benediktionale – einem liturgischen Buch – bis zu freien, individuelleren Formen die Hoffnung auf eine glückende Pilgerreise der Gläubigen.
Interessant ist, dass in unseren gegenwärtigen Zeiten, in denen viele Analysten einen Rückgang der Religionen und des Gottesglaubens ausmachen, das Bedürfnis nach Schutz und göttlichem Beistand auf Reisen ungebrochen ist. Warum sonst sollten wir auch in den neu errichteten Bahnhöfen und modernen Flughäfen unserer Städte Gebetsräume für Gläubige haben?
Um diese zu finden, muss man sich allerdings nicht selten auf verschlungene Pfade begeben, die entlang lärmender Verkaufslokale tief hinein in den letzten, dunklen Winkel führen. Da täte ein kleiner Reisesegen oft wahrlich gut …
Text: Raimund Stadlmann
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